Seit Juli 2017 haben fest verlegte Kabel eine europäische Brandschutzklasse von Aca bis Fca. Mindestens Eca ist Pflicht; in Büros und öffentlichen Gebäuden ist meist Cca, in Rettungswegen und Krankenhäusern B2ca sinnvoll – verbindlich ist das Brandschutzkonzept.
Wer heute ein Netzwerk- oder Glasfaserkabel bestellt, findet auf dem Datenblatt Angaben wie Dca-s2,d2,a1 oder B2ca-s1a,d1,a1. Dahinter steckt die europäische Brandschutzklassifizierung für Kabel. Wir erklären, was die Angaben bedeuten und welche Klasse wo sinnvoll ist.
Warum es Brandschutzklassen für Kabel gibt
In modernen Gebäuden liegen kilometerweise Kabel – in Decken, Schächten und Fluren. Im Brandfall können sie das Feuer weitertragen, viel Rauch erzeugen und giftige, saure Gase freisetzen. Deshalb gelten fest verlegte Kabel seit dem 1. Juli 2017 als Bauprodukte nach der europäischen Bauproduktenverordnung (CPR, auf Deutsch BauPVO).
Das betrifft alle Kabel, die dauerhaft im Gebäude bleiben: Stromleitungen, Steuerleitungen und Kommunikationskabel – also auch Cat-Datenkabel und Glasfaserkabel.
Die Klassen Aca bis Fca
Geprüft wird nach EN 50575, eingeteilt nach EN 13501-6. Das kleine „ca“ steht für „cable“.
| Klasse | Bedeutung | Typischer Einsatz (Empfehlung) |
|---|---|---|
| Aca | nichtbrennbar | für Datenkabel praktisch nicht erhältlich |
| B1ca | sehr geringer Beitrag zum Brand | Tunnel, höchste Anforderungen |
| B2ca | sehr geringer Beitrag zum Brand | Krankenhäuser, Pflegeheime, Schulen, Rettungswege |
| Cca | geringer Beitrag zum Brand | Büros, Hotels, Verwaltung, öffentliche Gebäude |
| Dca | mittlerer Beitrag zum Brand | Wohngebäude, kleinere Gewerbebauten |
| Eca | normalentflammbar | Mindestanforderung in Deutschland |
| Fca | keine Leistung festgestellt | nur mit zusätzlichem Schutz |
Die Spalte „Typischer Einsatz“ gibt Empfehlungen von Kabelherstellern und dem ZVEI wieder. Sie ersetzt kein Brandschutzkonzept.
Die Zusatzkriterien s, d und a
Ab Klasse Dca kommen drei Zusatzangaben hinzu. Je kleiner die Ziffer, desto besser:
- s – Rauch: s1 (wenig), s2 (mittel), s3 (keine Leistung festgestellt). s1a und s1b sagen zusätzlich, wie durchsichtig der Rauch bleibt.
- d – brennendes Abtropfen: d0 (keines), d1 (kurz), d2 (keine Leistung festgestellt).
- a – Säure der Brandgase: a1 (gering), a2 (mittel), a3 (keine Leistung festgestellt). Halogenfreie Mäntel erreichen meist a1.
Ein Kabel mit Cca-s1,d1,a1 trägt also wenig zum Brand bei, raucht wenig, tropft kaum brennend ab und ist halogenfrei. Mehr Details im Lexikon unter Zusatzkriterien s, d, a.
Was gilt in Deutschland?
Die CPR legt nur fest, wie Kabel geprüft und eingestuft werden. Welche Klasse eingebaut werden muss, regeln die Länder über ihr Bauordnungsrecht:
- Mindestens Eca: Kabel dürfen nicht leichtentflammbar sein. Fca-Kabel sind nur zulässig, wenn sie nach dem Einbau durch zusätzliche Maßnahmen mindestens so sicher sind wie Eca.
- Rettungswege: Die Musterleitungsanlagen-Richtlinie (MLAR) erlaubt offene Leitungen in notwendigen Fluren nur unter Bedingungen – etwa nichtbrennbare Kabel (Aca) oder eine Verlegung in Unterdecken, Brandschutzkanälen oder unter Putz. Für kleine Gebäude nennt die MLAR zusätzlich „Leitungen mit verbessertem Brandverhalten“.
- Sonderbauten: Für Krankenhäuser, Schulen, Versammlungsstätten oder Hochhäuser gelten oft höhere Anforderungen aus Sonderbauverordnungen und dem Brandschutzkonzept.
In der Praxis heißt das: Die geforderte Klasse steht im Brandschutzkonzept, im Leistungsverzeichnis oder wird vom Fachplaner vorgegeben. Fehlt eine Angabe, fragen wir vor der Bestellung nach – ein falsches Kabel lässt sich nach dem Einzug nur teuer tauschen.
Unsere Empfehlung für Daten- und Glasfaserkabel
- Büro, Verwaltung, Gewerbe: mindestens Cca-s1,d1,a1, halogenfrei
- Schule, Krankenhaus, Pflege, Rettungswege: B2ca-s1,d1,a1 oder besser
- Rechenzentrum und Serverraum: je nach Konzept Cca oder B2ca, halogenfrei, damit saure Brandgase keine Technik schädigen
- Wohngebäude: Dca reicht oft aus – Cca kostet kaum mehr und gibt Reserve
- Außen- und Erdkabel: Die CPR gilt für Kabel im Gebäude. Wird ein Außenkabel ins Gebäude geführt, muss der Innenteil die Anforderungen erfüllen – oft wird dafür am Hausübergabepunkt auf ein Innenkabel gespleißt.
Der Preisunterschied zwischen Dca und Cca ist bei Datenkabeln heute gering. Bei einem Neubau oder einer kompletten Neuverkabelung lohnt es sich fast immer, eine Stufe höher zu gehen.
Funktionserhalt ist etwas anderes
Die CPR-Klasse sagt, wie stark ein Kabel zum Brand beiträgt. Davon zu trennen ist der Funktionserhalt (z. B. E30 oder E90): Er beschreibt, wie lange ein Kabelsystem im Feuer noch funktioniert. Das brauchen Sicherheitseinrichtungen wie Brandmeldeanlagen oder Sicherheitsbeleuchtung – für die normale IT-Verkabelung ist er meist nicht gefordert.
Worauf Sie bei Abnahme und Dokumentation achten sollten
- Datenblatt und Leistungserklärung (DoP): Jedes CPR-Kabel hat ein CE-Zeichen und eine Leistungserklärung des Herstellers. Lassen Sie sich diese mit der Dokumentation übergeben.
- Aufdruck prüfen: Die Klasse steht in der Regel auf dem Kabelmantel. Ein Blick in die Trasse genügt.
- Durchbrüche schließen: Die beste Kabelklasse hilft wenig, wenn Wand- und Deckendurchbrüche offen bleiben. Kabelabschottungen gehören zu jeder sauberen Installation.
Wir planen und verlegen Netzwerk- und Glasfaserkabel mit der passenden Brandschutzklasse und übergeben alle Nachweise mit der Dokumentation. Bei Bestandsanlagen prüfen wir im Infrastruktur-Audit, welche Kabel verbaut sind.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen Überblick und ersetzt keine Brandschutzplanung. Maßgeblich sind die Landesbauordnung, die eingeführten Technischen Baubestimmungen und das Brandschutzkonzept des Gebäudes.
Häufige Fragen
Gilt die CPR auch für Glasfaserkabel?
Ja. Die Bauproduktenverordnung gilt für alle Kabel, die dauerhaft in Gebäuden verlegt werden – Strom-, Steuer- und Kommunikationskabel, also auch Kupfer-Datenkabel und Glasfaserkabel. Patchkabel, die nur gesteckt werden, sind nicht erfasst.
Welche Brandschutzklasse brauche ich für die Netzwerkverkabelung im Büro?
Gesetzlich gefordert ist mindestens Eca. Für Büro- und Verwaltungsgebäude empfiehlt der ZVEI Cca, in Rettungswegen B2ca-s1,d1,a1. Verbindlich ist, was im Brandschutzkonzept oder in der Ausschreibung steht – deshalb klären wir die Klasse vor der Materialbestellung.
Dürfen Kabel offen im Flur verlegt werden?
In notwendigen Fluren nur unter Bedingungen der Musterleitungsanlagen-Richtlinie (MLAR), zum Beispiel nichtbrennbare Kabel der Klasse Aca oder eine Verlegung in Unterdecken, Brandschutzkanälen oder unter Putz. Datenkabel der Klasse Aca gibt es praktisch nicht, deshalb wird in der Regel die Verlegeart angepasst.
Sind alte Kabel ohne CPR-Klasse jetzt verboten?
Nein. Bestandsanlagen genießen Bestandsschutz. Für neu verlegte Kabel und bei wesentlichen Umbauten gelten jedoch die aktuellen Anforderungen.
Ist ein halogenfreies Kabel automatisch gut im Brandschutz?
Nicht unbedingt. Halogenfrei (LSZH) sagt nur etwas über den Säuregehalt der Brandgase aus. Die Brandschutzklasse selbst kann trotzdem nur Dca oder Eca sein. Für die Planung zählt die CPR-Klasse mit Zusatzkriterien.
